Menschen mit Behinderung haben häufig ein besonders genaues Körpergefühl und einen ausgeprägten Ehrgeiz, die eigene Gesundheit und Fitness zu erhalten und zu verbessern. Dass sie dabei möglicherweise einen anderen Maßstab anlegen, als gänzlich gesunde Menschen versteht sich von selbst. Wenn abnehmwillige, behinderte Menschen von Sportlern ohne Handicap auf den Behindertensport verwiesen werden – da würden sie schon abnehmen – dann hat das schnell einen schalen Beigeschmack, klingt arrogant oder gar anmaßend. Ein vollständig gesunder Menschen kann schwerlich einschätzen, welche Schmerzen und Mühen für einige Menschen schon tägliche Aufgaben mit sich bringen, geschweige denn Sport.

Meine Geschichte – Meine Ängste

Ich bin dankbar dafür, verhältnismäßig gesund zu sein. Vielleicht kann ich trotzdem – ohne anmaßend zu klingen – etwas zum Thema “Abnehmen trotz Behinderung” sagen. Ein paar Sätze aus dem Nähkästchen: Vor mittlerweile über sieben Monaten habe ich meinen Nervus Ischiadicus so arg abgeklemmt und nachhaltig geschädigt, dass mein linkes Bein und mein linker Fuß ab dem halben Oberschenkel abwärts komplett gelähmt waren. Es handelte sich um eine schlaffe Lähmung. Gehen war nur noch mit einer Peronäusschiene möglich und an Sport nicht recht zu denken. Die erste Prognose meines Krankenhausarztes belief sich auf möglicherweise drei Jahre Regenerationszeit des Nerven mit ungewissem Ausgang für die Beweglichkeit von Bein und Fuß. Meine erste Angst war ganz klar: “Was, wenn das so bleibt?” Eine meiner nächsten Ängste – diese Eitelkeit muss ich schon zugeben – war tatsächlich: “Was bedeutet die Lähmung für die Fitness meines restlichen Körpers? Werde ich als bisher sportlicher Mensch jetzt aufgrund von Bewegungsmangel aufgehen wie ein Hefekloß?”

Großes Glück

Ich habe unglaubliches Glück gehabt. Die Nervenschädigung war nicht so schwer wie ursprünglich angenommen. Für die Experten: Überwiegend handelt es sich um eine schwere Form der Neurapraxie, weit weniger Nervenfasern waren durch Axonotmesis geschädigt. Nach ca. drei Monaten konnte ich die Peronäusschiene bei kürzeren Gänge stehen lassen. Vor zwei Wochen konnte ich mich darüber freuen, eine erste Joggingrunde gedreht zu haben. Zwar nur 2,5 Kilometer, aber es muss ja auch Luft nach oben bleiben. Ich kann bis heute nicht länger als eine Stunde am Stück auf einem Stuhl sitzen und bin deswegen vor allem bei der Arbeit, aber auch zB bei einem Restaurantbesuch eingeschränkt. Die Erfahrung hat mir einen Heidenrespekt vor allen körperlich eingeschränkten Menschen verschafft, die auf bewundernswerte Weise ihr Leben leben.

Bewegungsdrang

Bin ich in der Zwischenzeit nun aufgegangen wie ein Hefekloß? Nein. Das habe ich möglicherweise neben meinem Glück auch einer gewissen, angeborenen Hartnäckigkeit zu verdanken. Meinen Weg kann ich zwar nicht seriös weiterempfehlen, erzählen möchte ich ihn trotzdem: Ich habe mich nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus über die Empfehlungen meines Arztes und meiner KG hinweg gesetzt und mit leichten Ausdauertraining auf unserem Crosstrainer begonnen. Anfangs habe ich meinen linken Schuh auf dem Pedal noch festgeklebt. Tatsächlich benötigte ich diese Fixierung jedoch nicht, weil die Arbeitsweise des Crosstrainers die Bewegung sehr genau vorgibt. Ich habe diese recht rigide und wegen der Gefahr des Umknickens nicht ganz ungefährliche ‘Therapie’ aus zwei Gründen gestartet: Zum einen forderte mein Körper Bewegung, die mir mit der Schiene schwerfiel, die ich jedoch – zu meinem Glück – auf dem Crosstrainer schmerzfrei ausleben konnte. Zum anderen machte auf mich die Theorie Eindruck, das Bewegungsreize aus dem gelähmten Körperteil das Nervenwachstum bzw. die Nervenregeneration am geschädigten peripheren Nerven beschleunigen können. Ob diese Theorie nun stimmt oder nicht ist für mich heute egal; die Hauptsache ist, dass ich daran glaube.

Abnehmen mit Behinderung

Dieser Artikel ist sehr Ich-Bezogen. Für Sie und Ihre Geschichte sind ja die Kommentare freigeschaltet. Vielleicht sind Sie behindert und möchten abnehmen. Vielleicht haben Sie nicht das Glück, schmerzfrei Sport machen zu können. Wenn das der Fall ist, schränkt dies Ihre Möglichkeiten für das gesunde Abnehmen ein wenig ein. Da müssen wir ehrlich sein. Denn Diät und Bewegung gehören für uns zusammen. Trotzdem möchten wir Ihnen zwei Vorschläge machen:

1. Sie wissen selbst am Besten, wo Ihre Grenzen sind und was Sie ihrem Körper zumuten können. Vielleicht können Sie mit erträglichem Schmerz durch Bewegung ihren Grundumsatz steigern. Dann sollten Sie dies innerhalb Ihrer Grenzen tun. Wie immer gilt: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt!

2. Für das Grundprinzip der 24-Stunden-Diät ist nicht zwangsläufig Sport erforderlich. Sport dient lediglich dazu, möglichst schnell die Energiespeicher des Körpers zu leeren, um dann mit einem bestimmten Ernährungsprogramm den Grad der Fettverbrennung über eine möglichst lange Zeit in einem möglichst hohem Bereich zu halten. Wenn Sie wissen möchten wie dies funktioniert, dann tragen Sie direkt rechts oben auf der Seite Ihre E-Mailadresse ein. Sie bekommen dann wertvolle Diättipps zugesandt und werden außerdem über das Erscheinen unseres Buches informiert, von dem jeder Abnehmwillige profitieren kann, gleichgültig welchen Maßstab er an seine Sportlichkeit anlegt.